Die traurige Prinzessin

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Nun ist es also Abend geworden und ich sitze noch ein bisschen vor dem Computer. Falls ihr noch eine Anregung für eine Gute-Nacht-Geschichte braucht, wie wäre es heute mal mit etwas klassischem?

Es war einmal eine wunderschöne Prinzessin. Sie lebte in einem wunderschönen Schloss, zusammen mit ihren wunderschönen Spielzeugen, ihren wunderschönen Kleidern und vielen anderen wunderschönen Dingen. Sie war die mittlere von drei wunderschönen Schwestern und hatte wunderschöne Eltern.

Leider war unsere kleine Prinzessin gar nicht fröhlich. Um genau zu sein, wollte sie auch gar keine Prinzessin sein. Jedes Mal, wenn sie begann, etwas Spaß zu haben, sagte jemand: „Hör auf, achte auf dein wunderschönes Kleid!“ Oder „Nicht so wild, achte auf deine wunderschöne Frisur!“ Und die wunderschönen Spielzeuge taugten auch nur, um wunderschön im Regal zu stehen. Beim Spielen gingen sie nämlich immer kaputt.

Eines Tages saß die wunderschöne Prinzessin mit ihren Schwestern am Fenster und sah hinaus. Sonst taten sie nichts. Sie hätten ja ihre wunderschönen Kleider zerknittern oder ihre wunderschönen Frisuren zerstrubbeln können.

Da sahen sie draußen ein kleines Mädchen. Es hatte ein einfaches Kleidchen an und trug die Haare in zwei einfachen Zöpfen. Dennoch war es das schönste, das die kleine Prinzessin jemals gesehen hatte, denn das kleine Mädchen lachte über das ganze Gesicht. Es spielte mit einem schmutzigen Kätzchen, rollte mit ihm auf dem Boden herum, jagte ihm nach und kletterte hinter ihm her auf einen Baum.

Entschlossen stieß die kleine Prinzessin ihren Stuhl zurück. „Ich gehe jetzt hinaus!“, verkündete sie ihren Schwestern. Die sahen sprachlos zu, wie die kleine Prinzessin aus dem Zimmer ging und wenig später draußen unter dem Baum stand, auf dem das kleine Mädchen noch saß. Der kleinen Prinzessin war es egal, dass die Diener hinter ihr herliefen und riefen, sie solle wieder hinein kommen und vernünftig sein. Sie stellte sich taub. Da wussten die Diener nicht mehr, was sie tun sollten.

Die kleine Prinzessin begann, mit dem Mädchen und dem Kätzchen zu spielen, während die Diener um beide herum standen und zusahen. Bald schon war das Kleid der kleinen Prinzessin schmutzig und ihre Haare waren zerzaust. Gerade da blickte zufällig die Königin aus dem Fenster. Als sie ihre Tochter so schmutzig und zerzaust sah, stieß sie einen spitzen kleinen Schrei aus! Dann aber sagte sie zum König: „Unsere Tochter sieht heute so seltsam aus. Und es liegt nicht an dem unsäglichen Dreck und an den unordentlichen Haaren. Nein, es ist etwas anderes.“ Der König stellte sich neben die Königin und sah auch hinaus. Er schwieg lange, während er seine Tochter beobachtete. Dann sagte er: „Sie sieht glücklich aus!“ Dann lächelten der König und die Königin sich an.

Von diesem Tag an durften alle drei Prinzessinnen draußen spielen und sich schmutzig machen so viel sie wollten, und alle lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende.

Gute Nacht!

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