Die Fischkinder

Es war einmal eine Kindergartengruppe. Zu dieser Gruppe gehörten größere Kinder und kleinere Kinder, Buben und Mädchen, Kinder mit blonden, braunen, schwarzen und sogar roten Haaren. Kinder mit braunen, blauen und grünen Augen. Kinder mit heller Haut, mittlerer Haut und dunkler Haut. Es war ein fröhlicher bunter Haufen.

Leider stritten die Kinder in der Kindergartengruppe ständig. Mal ließen die großen Kinder die kleineren nicht mitspielen, mal umgekehrt. Mal ließen die Buben die Mädchen nicht mitspielen, mal umgekehrt. Mal rottete sich das eine Grüppchen gegen andere zusammen, dann wieder war es ein anderes Grüppchen. Die Kindergärtnerinnen wussten sich kaum mehr zu helfen.

Weil sie keinen anderen Rat mehr wussten, beschlossen sie, mit den Kindern einen Ausflug in den Wald zu machen. Dort würden sie vielleicht abgelenkt sein und aufhören zu streiten.

Leider klappte das nicht. Die Kinder stritten, wer als erstes den bunten Schmetterling gesehen hatte, sie stritten, wer als erstes den Kuckuck gehört hatte und sie stritten, wer als erstes über den gefällten Baumstamm balancieren durfte.

Plötzlich begann der Wind in den Wipfeln zu rauschen, dass die Bäume sich bogen. Die Kinder und die Kindergärtnerinnen drängten sich ängstlich zusammen. Da stand mit einem Mal eine alte graue Frau vor ihnen. Alles an ihr war grau: ihr Haar, ihre Kleidung, sogar ihre Augen.

„Was seid ihr nur für seltsame Kinder!“, schalt sie mit einer seltsam krächzenden Stimme. „Geht hier durch meinen schönen Wald und könnt nichts als zanken und streiten! Euch will ich lehren, friedlich zu sein!“ Sie hob die Arme zum Himmel und rief:

„So helft mir, ihr Geister, es ruft euer Meister. Die Kinder zu lehren die Freundschaft zu ehren, brauchts eine Lektion! Hier kommt sie schon!“

Der Boden bebte und plötzlich war da ein See. Und ehe die Kinder es sich versahen, waren sie alle in Fischlein verwandelt und schwammen im Wasser.

Jetzt sahen sie alle gleich aus. Lauter goldgelbe Fischlein, alle ungefähr gleich groß. Die Kindergärtnerinnen und die alte Frau standen am Ufer des Sees und sahen auf die Kinder hinunter. „Erst wenn ihr gelernt habt, euch zu vertragen, werdet ihr eure normale Gestalt wieder erhalten“, sagte die alte Frau, dann war sie verschwunden.

Die Fischkinder im Teich versuchten, nach den Kindergärtnerinnen zu rufen, aber es kamen nur Blubberbläschen aus ihren Mäulchen. Dann versuchten einige, aus dem Wasser zu springen, doch sie kamen nicht bis ans Ufer. Sie entdeckten jedoch, dass es großen Spaß machte, sich aus dem Wasser zu schnellen und dann wieder in seine kühle Frische einzutauchen. Bald war der Wald erfüllt von dem Plätschern der Fischlein im Wasser. Als nächstes spielten sie Fangen im Wasser und erkundeten die Geheimnisse des kleinen Tümpels. Und irgendwo mittendrin erkannten sie, dass es lustiger war, gemeinsam zu spielen, als miteinander zu streiten und das es völlig unwichtig war, ob einer groß oder klein, Bub oder Mädchen, hell oder dunkel war.

Da kam ein sanfter Wind auf, der zärtlich über den Tümpel strich und neben den Kindergärtnerinnen stand nun eine schöne Fee. Sie sagte: „Ihr habt aber schnell gelernt! Zur Belohnung verwandle ich euch nun zurück und ihr sollt noch den ganzen Tag in meinem Wald spielen und von den Waldbeeren naschen.“

Und mit einer Handbewegung war der See verschwunden und die Kinder standen da, als wäre nichts gewesen. „Wird dann nicht die alte Hexe wiederkommen?“, wollten die Kinder ängstlich wissen. „Macht euch keine Sorgen. Die alte Hexe und ich sind eins“, erklärte die schöne Fee.

Damit verschwand sie. Die Kinder spielten noch den ganzen Tag im Wald und obwohl sie noch immer ab und zu stritten, blieb es immer bei Kleinigkeiten und sie vertrugen sich jedes Mal schnell wieder. Von nun an waren sie viel fröhlicher und hatten jede Menge Spaß im Kindergarten.

2 Kommentare zu „Die Fischkinder

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