Neulich in der Kirche

Ich bin zwar katholisch getauft, doch habe ich so meine Schwierigkeiten mit der Institution Kirche. Aus diesem Grund sind wir auch nur zu hohen Feiertagen in der Kirche. Warum überhaupt, wird sich mancher fragen. Nun ja, wir haben Kinder und zum einen fand ich als Kind den Glauben an den lieben Gott und das Ritual des Gottesdienstes beruhigend, zum anderen denke ich, sollten unsere Kinder zumindest wissen, worum es in der Kirche geht, sozusagen Anschauungsunterricht. Ansonsten versuche ich, ihnen humanistische Werte mitzugeben.

Neulich also Einladung zur Erstkommunion. Der Einzug der Erstkommunionskinder war sehr feierlich, die Kirche bis zum Bersten gefüllt. Wir standen seitlich vorne und konnten für die Kinder noch einen Platz auf der eigens aufgestellten Kinderbank in der ersten Reihe ergattern. Da saßen sie nun in ihrem Festgewand, zwischen sich ihre Cousine, nur wenig jünger als unsere Kleine. Die erste Zeit saßen sie noch recht brav, abgesehen von gelegentlichem Nasenbohren.

Dann kam die Kleine zu mir, sie sei so hungrig. Wir hatten erst gefrühstückt, also erklärte ich ihr flüsternd, dass ich jetzt nichts dabei hätte und sie es ein wenig aushalten müsse. Sie setzte sich schmollend auf meine Füße. Nun sah sie aber nichts mehr, denn ich stand genau hinter einer Säule. Kurz darauf kehrte sie daher leise murrend auf ihren Platz zurück.

Nach weiteren fünf Minuten erwischte ich meinen Großen, wie er gedankenverloren die Hände vorne in die Hose schob. Nicht die beste Idee in der ersten Reihe auf dem Präsentierteller. Nun saß ich ja nicht neben ihm, schaffte es aber doch, durch Blicke seine Aufmerksamkeit auf mich zu lenken. Ich bedeutete ihm stumm aber energisch, seine Hände wieder herauszuholen und nach Möglichkeit zu falten. Er entschied sich, zumindest Teil eins meiner Aufforderung nachzukommen, ließ mich aber ebenso stumm wie eindrücklich wissen, dass er das für total übertrieben halte.

Wir waren mittlerweile bei der Lesung angekommen. Die Kleine kam wieder zu mir, mit der Frage, wann das denn endlich aus sei. Ich vertröstete sie auf später, nahm sie aber auf den Arm und versuchte, sie für die Lesung zu interessieren. Es war die Geschichte vom verlorenen Sohn. Irgendwie ist es immer die Geschichte vom verlorenen Sohn, wenn wir in der Kirche sind… scheint ein Favorit zu sein.

Bald war ihr das zu langweilig und sie tappte zurück zu ihrem Platz. Leider wollte sie jetzt aber in der Mitte, zwischen Bruder und Cousine, sitzen, ihre Cousine wollte das aber auch. Anstatt sich irgendwie zu einigen, fingen die drei doch glatt an, in der Kirche zu streiten! Ich wäre am liebsten im Boden versunken. Der wollte sich leider nicht öffnen, also ging ich in die Knie, robbte zu ihnen rüber und versuchte zu schlichten. Es endete damit, dass meine Nichte eine Runde zu mir auf den Arm durfte.

Kurz darauf hatten sich die Gemüter wieder einigermaßen beruhigt und sie saßen wieder zu dritt auf der Kinderbank. Ich beobachtete neidisch ein Grüppchen Kinder auf der anderen Bank, offensichtlich jünger als meine Brut und vollkommen friedlich.

Gerade wurden die Fürbitten gelesen, da entschied sich meine Kleine, ihrer Langeweile dadurch Ausdruck zu verleihen, dass sie den Rock ihres Kleides bis zu Nasenspitze hochzog, um ihr Gähnen dahinter zu verstecken. Meine Mimik entglitt an dieser Stelle wieder ins Komische, zumindest für den Beobachter. Zum Glück waren aber die meisten Blicke nur auf die Kommunionskinder geheftet. Mit einem gottergebenen Seufzer strich meine Tochter ihren Rock wieder glatt und begann, an einer Haarsträhne zu lutschen.

In der Zwischenzeit hatte sich auch der kleine Cousin, knapp zwei, mit auf die Kinderbank gesellt. Allerdings ist er ein ebenso lebhaftes Kerlchen, wie mein Großer und so ist es nicht verwunderlich, dass er nur wenige Minuten sitzen blieb. Dann rutschte er etwa viermal von der Bank, um selber wieder hinaufzuklettern. Beim fünften Mal versuchte mein Großer, ihn festzuhalten, was prompt mit Protestgeschrei quittiert wurde. Als er dann versuchte, Richtung Altar zu steuern, fing seine Mutter ihn ein und ging mit ihm raus.

Keine zwei Minuten später kam meine Kleine wieder an. Das wäre voll unfair, der Cousin dürfe auch raus. Ich versuchte sie zu vertrösten, es wäre jetzt eh bald vorbei und außerdem sei sie ja auch viel größer. Das Ende vom Lied war, dass mein Mann die Kinder vor der Kirche betreute, während wir die letzte Viertelstunde drinnen verweilten.

Ich hoffe, es ist noch ein wenig Zeit bis zum nächsten hohen Feiertag, dann kann ich noch mit den Kindern üben…

 

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