Rotzi Popel geht ins Freibad

Erinnert ihr euch noch an den klebrigen gelben Popel, der früher in der Nase eines niedlichen kleinen Mädchens saß? Er sehnte sich nach Freiheit und war neugierig auf die Welt. Und dann, eines Tages, popelte das kleine Mädchen in der Nase und schnippte den Popel weg.

Der Popel hatte Glück. Er landete nicht irgendwo auf dem Boden, wo er vielleicht festgetreten worden wäre. Nein, er landete auf einem Spatz, der zufällig gerade vorüberflog. Der Spatz bemerkte ihn zunächst gar nicht. So machte es sich der Popel in seinem Gefieder gemütlich, klebte sich gut fest und genoss den Flug.

Das war vielleicht ein Vergnügen! Die Welt zog unter ihm hin, der Wind pfiff ihm um die Nase und die Sonne schien.

Doch nach und nach fühlte der Popel sich allmählich seltsam. Seine schöne gelbe schleimige Haut begann, ihren Glanz zu verlieren und wurde immer trockener. Und je trockener er wurde, desto steifer fühlte er sich auch. Da bekam der Popel es mit der Angst zu tun. „Verzeihung!“, rief er dem Spatz zu, „könnten Sie mich bitte an einen Ort fliegen, wo es nass und kühl ist!“

Der Spatz bekam einen Riesenschreck und wäre beinahe abgestürzt. Er hatte ja nicht gewusst, dass er einen blinden Passagier hatte. „Was bist du denn?“, keifte er den Popel an, als er sich einigermaßen beruhigt hatte. „Und was machst du in meinem Gefieder?“ „Mein Name ist Rotzi Popel“, stellte der Popel sich vor. „Ich bin ganz zufällig in ihrem Gefieder gelandet. Aber ich muss zugeben, der Flug hat mir bislang ausgesprochen gut gefallen. Sie sind ein hervorragender Pilot. Nur fürchte ich, die Trockenheit hier oben in Wind und Sonne bekommt mir nicht gut. Ich bräuchte bitte unbedingt ein feuchtes kühles Plätzchen, wenn es Ihnen nicht allzu viele Umstände machen würde.“

Der Spatz fühlte sich sichtlich geschmeichelt und nickte entgegenkommend. „Ich weiß einen Ort, wo es schön nass ist.“

Damit zog er eine Schleife am Himmel und steuerte auf ein Freibad zu. Es war Vormittag und die meisten Kinder waren in der Schule. Das Freibad lag verlassen da, und so störte sich auch niemand an dem Spatz und Rotzi Popel, die direkt neben dem Kinderbecken landeten.

Rotzi Popel war mittlerweile so ausgetrocknet, dass der Spatz mit seinem Schnabel nachhelfen musste, um ihn aus seinem Gefieder ins Wasser zu befördern. Endlich war es geschafft und Rotzi Popel glitt mit einem erleichterten Seufzer ins kühle Nass.

„Ah, das tut gut“, stöhnte er. Kurze Zeit später war er wieder glänzend gelb und schleimig.  Doch nun entdeckte er ein neues Problem. Er wurde allmählich zu dünnflüssig! Und das Chlor im Wasser begann, ihn zu zersetzen. So schnell er nur konnte, kletterte Rotzi Popel wieder aus dem Wasser heraus.

Der Spatz, der ganz in der Nähe ein paar Pommes aufgepickt hatte, die auf dem Boden lagen, sah erstaunt auf. „Was ist denn los, Rotzi?“, fragte er. „Ich glaube, ich bin gerade nochmal dem Tode entronnen“, keuchte Rotzi Popel. „Ich begann bereits, mich im Wasser aufzulösen!“

„Mir scheint, du steckst ziemlich in der Patsche „, bemerkte der Spatz. „In der Sonne trocknest du aus, im Wasser verflüssigst du dich.“

Rotzi Popel kratzte sich nachdenklich am Kopf. Der Spatz hatte recht. Aber es musste doch eine Lösung geben. Er dachte an früher und an die Nase des kleinen Mädchens. Da hatte er einen Geistesblitz!

„Sie kennen nicht zufällig einen Ort, an dem es schattig ist und vielleicht auch feucht?“, fragte er den Spatzen. Nun war es am Spatz, sich den Kopf zu kratzen. Doch dann zwitscherte er: „Ich glaube ich habe eine Idee! Spring auf “

Etwas mühsam glitschte und kletterte Rotzi Popel wieder auf den Rücken des Spatzen, der ohne zu zögern losflog.

Sie flogen über die Dächer der Stadt , ließen ein Industriegebiet hinter sich und flogen schon bald über Wiesen und Felder auf einen Wald zu.

Schließlich landeten sie mitten im Wald. Unter den Blättern der Bäume und Sträucher war es kühl und schattig. Ein paar Waldanemonen blühten im Unterholz und es duftete nach Moos und moderndem Laub. Rotzi Popel atmete tief ein. „Ah! Das ist ja herrlich!“

„Es kommt noch besser“, tschirpte der Spatz. „Gleich da drüben ist ein kleiner Bach und an den Ufersteinen gibt es eine Stelle, da ist es immer schön feucht,  aber nie zu nass.“ Und er flatterte zu dem Bach. Dort zeigte er Rotzi Popel einen ausgehöhlten Stein am Ufer, in dem ein kleine Wasserlache stand, der aber hoch genug über dem Bach lag. In dem Stein wuchsen schon einige Pilze und etwas Moos. „Gestatten Sie, dass ich mich vorstelle“, sagte Rotzi Popel etwas schüchtern. „Mein Name ist Rotzi Popel und ich würde gerne eine Zeitlang bei Ihnen verweilen, wenn Sie nichts dagegen haben.“

Es stellte sich heraus, dass die Pilze und das Moos nichts dagegen hatten. Sie freuten sich sogar, so einen höflichen neuen Nachbarn zu bekommen.  So blieb Rotzi Popel bei ihnen und fand an dem Waldbach ein neues zu Hause. Der Spatz flog wieder zurück in die Stadt. Zuvor versprach er seinem neuen Freund jedoch, ihn bald zu einem neuen Ausflug abzuholen.

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