Rotzi Popel geht auf den Markt

Rotzi Popel hatte sich mittlerweile in seiner neuen Behausung am Waldbach eingelebt und unterhielt sich gerade mit Madame Moos und den Pilzen. Sie tauschten Nettigkeiten über das Wetter und den neuesten Waldtratsch. Madame Moos sagte:“Haben sie das von Familie Eichhörnchen gehört? Ich kann Ihnen sagen, diese Jungen sind eine wahre Rasselbande.“

Rotzi Popel wollte gerade nachfragen, was die Eichhörnchenjungen angestellt hatten, da kam der Spatz angeflattert. „Ich will heute auf den Markt. Hast du Lust, mitzukommen?“, zwitscherte er. Rotzi Popel fühlte sich hin und her gerissen. Einerseits wollte er seine neuen Nachbarn nicht unhöflich stehen lassen, auf der anderen wollte er zu gern mehr von der Welt sehen. Während er noch unschlüssig überlegte, entschieden die Pilze an seiner Stelle. „Oh bitte, Herr Popel, fliegen Sie mit zum Markt! Und wenn Sie wiederkommen, müssen Sie uns alles ganz genau berichten. Wir kommen ja sonst nie hier weg!“

Da sagte Rotzi Popel erfreut zu und wenig später flog er auf dem Rücken des Spatzes schon über den Wald.

Sie flogen über Wiesen und Felder und bald schon über die ersten Dächer der Stadt. Der Spatz flog zielstrebig weiter, immer geradewegs auf den Kirchturm zu. Mit einem Mal tat sich eine Lücke zwischen den Dächern auf und sie flogen über einen weiten Platz, auf dem viele kleine Stände aufgebaut waren. Auf dem Marktplatz herrschte schon reges Treiben. Die Händler priesen ihre Waren an, Männer, Frauen und Kinder machten Einkäufe, unterhielten sich mit Bekannten oder genossen das schöne Wetter. In der Luft lagen so viele unterschiedlich Düfte, dass es Rotzi Popel ganz schwindelig wurde. Der Duft von frischem Gebäck, der würzige Geruch von Käse, das Aroma von reifen Erdbeeren, das zarte Parfüm von Blumen und ein unwiderstehlicher Hauch von Knoblauch, all das zusammen ließen Rotzi Popel ins Schwärmen kommen. Leider merkte er aber auch, wie sehr ihm der Flug in der Sonne schon zugesetzt hatte. Er fühlte sich schon ganz trocken und steif.

Zum Glück hatte der Spatz an alles gedacht. Er landete auf dem Rand des Brunnens, der mitten auf dem Marktplatz stand. Es war ein altmodischer Springbrunnen, der sich über mehrere Etagen ergoss.

Rotzi Popel klebte sich an die Unterseite der obersten Etage. Hier war es schön feucht und er hatte einen herrlichen Überblick über den gesamten Marktplatz. Der Spatz flog indessen fort, um beim Bäcker ein paar Kuchenkrümel zu picken.

Rotzi Popel sa sich um und versuchte, die unterschiedlichen Düfte den richtigen Ständen zuzuordnen. Mit geschlossenen Augen zog er die Luft ein. Nach einer Weile wurde ihm dieses Spiel jedoch allmählich langweilig.  Er sah den Spatz, der gerade in der Nähe des Obststandes an etwas herumpickte und beschloss, ihn zu fragen, ob er ihn nicht auf seiner Runde über den Marktplatz begleiten könnte. Entschlossen kletterte Rotzi Popel vom Brunnen herunter. Er hüpfte von Etage zu Etage und zum Schluss auf den Brunnenrand. Als er aber endlich auf dem Boden angekommen war, stand er vor einem Problem. Von oben hatte die Entfernung zum Spatz nicht besonders groß gewirkt. Nun bot sich ihm aber ein ganz anderes Bild. Vorsichtig trippelte er ein paar Schrittchen nach vorne… und wäre beinahe von einem schaufenden Fischverkäufer plattgetreten worde! Mit klopfendem Herzen blieb er stehen. Wie sollte er jemals den Spatz erreichen? Da schlich eine rotgestreifte Katze an ihm vorbei, und ohne lang darüber nachzudenken, klebte Rotzi Popel sich in ihrem Fell fest.

Die Katze war auf dem Weg zum Fischstand. Der Fischverkäufer rief: „Frische Fische! Hier gibts frische Fische! Heute besonders günstig!“

Als er die Katze sah, zischte er aber: „Schuh, hau ab!“ Rotzi Popel wunderte sich. Erst rief er alle herbei, dann scheuchte er sie wieder weg. Sehr seltsam! Da beobachtete Rotzi, wie eine Dame an den Fischstand trat, und die wurde sehr zuvorkommend bedient. Scheinbar waren nur Katzen keine willkommene Kundschaft. Die Katze strich trotzdem weiter um den Fischstand herum. Da schaute die Frau des Fischhändlers aus der Rückseite des Standes heraus, sah die Katze und lächelte. „Miez, miez, miez“, machte sie, und hielt der Katze ein paar Fischschwänze hin. Die Katze lief ohne zu zögern zu der Frau und nahm die Fischschwänze, um sie dann in einer stillen Ecke zu verzehren.

Rotzi Popel wartete geduldig, bis die Katze ihr Mahl beendet hatte. Dann strich sie weiter. Als nächstes schlich sie durch die Beine der Leute, um den Obst- und Gemüsestand, aber dort gab es nichts für die Katze. Rotzi Popel betrachtete erstaunt die Berge von roten und grünen Äpfeln, Trauben, Bohnen, Gurken, Tomaten, Salaten und was es alles gab. Viel zu schnell zog die Katze weiter.

Als nächstes lief sie zum Wurststand. Dort bekam sie ein paar Wurstzipfel. Um den Blumenstand herum, wo der Duft von Rosen in der Luft hing, ging es weiter zu einem Stand, der von verführerischen Gerüchen umgeben war. Dort gab es Oliven, Ziegenkäse, gefüllte Weinblätter und noch viele andere Leckereien. Der Händler streichelte die Katze und gab ihr ein paar Bröckchen von jedem. Die Katze schnurrte, während sie fraß.

Rotzi Popel war glücklich, er hatte so viel gesehen. Leider merkte er auch, dass er allmählich wieder austrocknete. So war er sehr erleichtert, als die Katze zum Brunnen lief. Scheinbar war sie durstig geworden. Während sie trank, löste Rotzi Popel sich mühsam aus ihrem Fell und stieg zurück auf die oberste Etage des Brunnens. Er genehmigte sich ein kurzes Bad, um wieder schön schleimig zu werden, dann klebte er sich wie zuerst an der Unterseite fest.

Kurz darauf kam der Spatz wieder angeflogen. Rotzi Popel begrüßte seinen Freund, stieg auf seinen Rücken und gemeinsam flogen sie zurück zum Wald. An diesem Abend hatte Rotzi Popel seinen Nachbarn, Madame Moos und den Pilzen jede Menge zu erzählen und sie unterhielten sich bis tief in die Nacht hinein. Erst als der Mond schon hell am Himmel stand und sein Schein im Bach glitzerte, schliefen sie schließlich ein.

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