Drei kleine Mädchen

Es waren einmal drei kleine Mädchen, die hießen Mia, Pia und Lisa. Sie taten nichts lieber als miteinander zu spielen. Eines Tages gingen sie über eine Blumenwiese, da sagte Mia: „Seht nur die wunderschönen rosa Blumen. Ist rosa nicht die allerschönste Farbe der Welt?“

Pia überlegte und meinte: „Ich finde, lila ist die allerschönste Farbe der Welt.“

Und Lisa fand, die allerschönste Farbe der Welt sei immer noch blau.

Da sagte Mia: „Nein, so geht das nicht. Wenn ihr meine Freundinnen sein wollt, dann müsst ihr auch rosa am schönsten finden!“ Pia und Lisa sahen sich an. Sie fanden trotzdem jede ihr Farbe am schönsten, aber sie wollte auch Mias Freundinnen bleiben und so nickten sie und sagten: „Also gut, wir finden rosa auch am schönsten.“

Ein paar Tage später kamen Lisa und Pia zufällig beide im Kleidchen in den Kindergarten, nur Mia hatte eine Hose an. Da verschränkte sie die Arme und sagte: „Kleidchen sind voll doof! Morgen müsst ihr auch in Hosen kommen, sonst seid ihr nicht mehr meine Freundinnen!“

Pia und Lisa sahen sich an. Sie mochten Kleidchen, sie waren nämlich richtige kleine Prinzessinnen. Aber sie wollten auch weiterhin Mias Freundinnen sein, also versprachen sie, nun nur noch in Hosen in den Kindergarten zu kommen.

Wieder ein paar Tage später saßen die drei bei der Brotzeit im Kindergarten. Mia hatte ein Käsebrot und Gurkenstücke, Pia hatte ein Brötchen mit Butter und Lisa hatte, weil ihr Papa Geburtstag hatte, ausnahmsweise ein Stück Marmorkuchen dabei. Sie wollte den Freundinnen gerade anbieten, mit ihnen zu teilen, da fing Mia wieder an. „Was habt ihr denn da dabei?“, meinte sie abfällig, „das ist voll ungesund! Morgen müsst ihr aber wirklich was Gesundes mitbringen, sonst seid ihr nicht mehr meine Freundinnen!“

Pia und Lisa seufzten, nickten und versprachen, nur noch gesunde Sachen zur Brotzeit mitzubringen. Lisa wagte nicht mal mehr anzubieten, den Kuchen zu teilen.

Später an diesem Tag spielten Pia und Lisa ohne Mia in der Bauecke. Sie waren traurig, denn sie hatten das Gefühl, dass sie ihrer Freundin nichts recht machen konnten. Und es gefiel ihnen auch nicht, dauernd herumkommandiert zu werden. Da kam Mia dazu und sagte: „Was macht ihr denn da? Die Bauecke ist doch für Jungs. Kommt lieber mit an den Maltisch sonst…“, weiter kam sie nicht, denn jetzt reichte es Pia und Lisa! „Sonst was?“, fauchte Pia. „Sind wir dann wieder nicht mehr deine Freundinnen? Wir haben echt genug davon! Und nur dass du es weißt, ich komme morgen wieder im Kleid!“ „Und ich auch!“, stimmte Lisa zu, „und meine Lieblingsfarbe ist blau! Wir müssen nämlich nicht die gleichen Dinge toll finden, um Freunde zu sein! Und wenn du das nicht kapierst, kannst du uns gestohlen bleiben!“ Damit ließen Pia und Lisa Mia stehen.

Mia schmollte. So hatte sie sich das nicht vorgestellt. Es sollte gefälligst alles so laufen,  wie sie das wollte! „Dann spiele ich halt allein!“, sagte sie sich, „ich brauche die anderen eh nicht!“

Sie begann, ein Puzzle zu machen. Aber es wurde ihr schnell langweilig. Ohne Pias scharfe Augen dauerte es auch viel zu lang.

Mia ging an den Maltisch und begann zu malen. Aber ohne Lisas verrückte Einfälle, wurde sogar das Bild langweilig.

Sollte sie sich vielleicht doch entschuldigen? Dazu hatte sie wirklich keine Lust. Sie konnte ja so tun, als wäre nichts gewesen. Ja, das war eine gute Idee!

Sie ging rüber zu Pia und Lisa. „Was macht ihr da?“, fragte sie. Aber Pia und Lisa waren noch beleidigt. „Warum willst du das wissen, du willst doch nicht mehr unsere Freundin sein“, wies Pia sie ab.

Mia sah beschämt zu Boden.  „Also schön, es gut mir leid. Ich möchte wieder eure Freundin sein.“

Pia und Lisa tauschten einen langen Blick. „Also gut“, sagte Pia, „aber jeder darf seine eigene Lieblingsfarbe haben und auch seine Lieblingskleidung.“ „Genau“, stimmte Lisa zu, „und jeder darf mal bestimmen, was wir spielen.“

Mia nickte.

„Fein!“, freuten sich Pia und Lisa und die Mädchen umarmten sich. „Und um das zu feiern, bringe ich morgen nochmal Kuchen mit und den teilen wir dann!“, rief Lisa.

Von diesem Tag an waren die drei kleinen Mädchen wieder beste Freundinnen und hatten etwas Wichtiges gelernt: Unterschiede sind schön.

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