Diskussionen

Obwohl wir morgens eine Stunde vom Aufstehen bis zum Aufbruch haben, wird es meistens etwas hektisch. Das liegt zum einen daran, dass ich der überpünktliche Typ bin und zum anderen daran, dass meine Kinder es nicht sind.

Der Große studiert in aller Ruhe die verschiedenen Prospekte auf dem Tisch, während er sein Marmeladenbrot futtert. Die Kleine zeichnet mit heruntergetropfter Marmelade auf ihrem Teller und ich knurre zum gefühlt zwanzigsten Mal, sie mögen doch bitte aufessen! Ich bin schließlich schon seit einer Viertelstunde mit dem Frühstück fertig.

Anschließend hoch, Zähne putzen. Ich stehe zwischen den Kindern, während sie putzen. Tue ich das nicht, gehen sie nicht zähneputzen, sondern spielen. Und in den seltenen Fällen, in denen sie tatsächlich doch zähneputzen gehen, ärgern sie sich dabei gegenseitig. Es gibt Geschrei und Gekreisch und die Zähne sind nachher nicht wirklich geputzt.

Also stehe ich dazwischen. Aber selbst so… „Deine Hand bleibt bei dir, Großer. Ja, ich sehe sie auch hinter meinem Rücken. Vergiss die Backenzähne auf der anderen Seite nicht. Kleines, hampel auf dem Hocker nicht so herum! Der kippt noch um! Ja, auch die oberen Zähne putzen, danke…“

Nach dem Zähneputzen geht es beim Anziehen munter weiter. Der Große motzt, weil sein Lieblingsshirt, das er gestern beim Arbeiten anhatte, von mir als Wäsche und damit schuluntauglich eingestuft wird. Er droht, dieses oder keines. Ich erkläre ihm zum x-ten Mal, dass er in die Schule saubere und ordentliche Sachen anziehen soll, biete ihm sogar an, das Lieblingsshirt für den Nachmittag nochmal liegen zu lassen, oder es bis Mittag gewaschen und trocken zu haben. Er bockt weiter, bis ich laut werde und ihm androhe, es vollständig zu entsorgen.

Die Kleine hat derweil ihr schönstes Sonntagskleidchen aus dem Schrank gezogen und ist, vorsichtig ausgedrückt, nicht begeistert, als ich ihr sage, dass sie das sicher nicht in den Kindergarten anzieht. Mit einigem guten Zureden kann ich sie, wenn schon nicht zu T-Shirt und Hose, so doch zumindest zu einem alltagstauglichen Kleidchen überreden.

Bleibt nur noch die Frage der Frisur. Beim Großen einmal kurz mit der Bürste drübergewuschelt und dann zur Kleinen. Wieviele Zöpfe dürfen es heute sein? Sie will sie offen lassen. Nun hat sie aber sehr dickes und langes Haar, bis zum Po, um genau zu sein. Offen im Kindergarten? Kommt nicht in Frage. Das Geschrei beim Kämmen danach will ich mir nicht einmal vorstellen. Nein, Kleines. Wie wäre es mit zwei geflochtenen Zöpfen? Die sind praktisch. Will sie nicht. Lieber einen Pferdeschwanz. Geflochten? Nein, natürlich offen. Im Kindergarten war gerade erst Läusealarm, da wird auf jeden Fall geflochten! Na gut, endlich gibt sie klein bei, dann ein Krönchen. So schnell ich kann flechte ich alle Haare im Kranz um ihren Kopf herum und stecke alles fest. Geschafft!

Mein Mann ist auch gerade fertig und packt die Kinder ins Auto.

Erschöpft sinke ich auf einen Stuhl. Ich brauche einen Moment, bevor ich mich auch endlich fertig machen kann. Was rege ich mich eigentlich so auf, frage ich mich dann. Auch ich habe als Kind beim Essen immer gelesen.  Auch ich wollte am liebsten jeden Tag ein Kleidchen anziehen. Wenn mein Lieblingspiratenshirt in der Wäsche war, war das eine Katastrophe und die praktischen Zöpfe, die meine Mutter immer flocht, ließ ich von meiner Schwester gerne in etwas kunstvolleres umwandeln.

Ich muss grinsen, sind halt definitiv meine Kinder.

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