Rotzi Popel feiert ein Fest

Es war nun schon einige Zeit vergangen ohne dass der Spatz Rotzi Popel besuchen konnte. Erinnert ihr euch? Frau Spatz brütete und Herr Spatz versorgte sie und dann auch seine Jungen mit Futter.

Doch eines Morgends kam der Spatz endlich wieder angeflattert. Und hinter ihm kamen noch etwas ungelenk drei junge Spatzen daher. Stolz stellte der Spatz seinen Nachwuchs Rotzi Popel vor: „Das sind meine lieben Kinder, Tschilpa, Piepa und Fipsi.“

Rotzi Popel gratulierte seinem Freund und bewunderte die Flugkünste der Jungvögel. Dann fragte er: „Aber sag mal, warum hast du deine Frau nicht mitgebracht? Ich würde sie gerne auch kennenlernen.“ „Ich bringe sie gerne nächstes Mal mit. Die Rasselbande hat sie in den letzten Tagen so auf Trab gehalten, dass die Ärmste heute dringend mal eine Pause brauchte.“ Tatsächlich hüpften die kleinen Spatze schon neugierig über die Ufersteine, auf der Suche nach Futter oder einem Abenteuer. Um ein Haar wäre Tschilpa ins Wasser gestürzt, doch der Spatz erwischte sie gerade noch am Flügel.

„Weißt du was, ich frage sie gleich morgen, ob sie mitkommt. Dann können wir vielleicht gemeinsam einen Ausflug machen“, schlug der Spatz vor. Dann hüpfte er eilig davon um Fipsi aus einem Brombeergebüsch zu befreien.

Rotzi Popel winkte ihm nach. Dann wandte er sich an Madame Moos und die Pilze. „So verlockend ein Ausflug klingt, finde ich doch, die Spatze verdienen eine kleine Feier, was meinen Sie?“ Madame Moos nickte zustimmend. „Da jaben Sie ganz recht, mein lieber Herr Popel. Wir wollen für morgen ein Fest organisieren.“ „Au ja, eine Party!“, jubelten die Pilze,  „wir kümmern uns um die Musik!“ „Ich rede mit dem Eichhörnchen, dass es uns Nüsse und Beeren besorgt“, bot Madame Moos an. Rotzi Popel war einverstanden – er hatte noch immer einen kleinen Groll auf das freche Eichhörnchen, das ihn mit Nüssen beworfen hatte. „Gut, dann werde ich versuchen, den Hirsch zu finden, damit wir die Einladungen aussprechen können. Ich dachte an die Amsel, die Finken, den Eichelhäher, die Stare, den Dompfaff und doe Meise.“ „Sehr gut, aber vergessen sie nicht das Rotkehlchen und seinen Cousin, den Rotschwanz!“ „Gut, dass sie mich daran erinner“, pflichtete Rotzi Popel ihr bei. Dann stapfte er in den Wald.

Er brauchte nicht lange zu suchen, da fand er den Hirsch schon an einem seiner Lieblingsplätze. Als dieser hörte, worum es ging, war er sofort bereit, Rotzi Popel zu helfen. Vom Geweih des Hirsches aus lud Rotzi Popel alle Vögel zur Spatzenfeier ein. Bald war er wieder zurück am Bach. Aber er erkannte den Platz kaum wieder.

Madame Moos hatte mit allen Moosen und Pflänzchen gesprochen und alle blühten nun dass es eine Freude war. Frische Blättchen glänzten überall und kleine Blüten strahlten um die Wette. Die Pilze hatten sich aus Eichelhütchen und Nußschalen kleine Trommeln gebastelt und probten gerade ihren Chor. Madame Moos hatte es sogar geschafft, das Eichhörnchen zu überreden, Nüsse und Beeren zu besorgen. Nun war der Tag schon fast vorbei und alle beschlossen, früh ins Bett zu gehen, um am nächsten Tag für das Fest frisch und munter zu sein.

Der nächste Tag kam und schon morgens versammelten sich die ersten Vögel. Nach und nach trudeltenauch die Finken, Stare und der Dompfaff ein. Schließlich waren alle Gäste versammelt. Nur Familie Spatz fehlte.

„Es wird ihnen wohl hoffentlich nichts dazwischengekommen sein“, meinte Rotzi Popel bekümmert. Doch nein, da kamen sie endlich. Frau Spatz, Herr Spatz, Tschilpa, Piepa und Fipsi. „Bitte entschuldige die Verspätung“, zwitscherte der Spatz, „ich war vom Kinderhüten gestern zu erledigt, dass ich total verschlafen habe!“ „Ja“, kicherte da seine Frau, „er hat geschlafen, wie ein Stein. Schön, Sie endlich kennenzulernen, Herr Popel.“ „Die Freude ist ganz meinerseits, Frau Spatz“, sagte Rotzi Popel und schüttelte ihr den Flügel. „Wo möchtest du heute hin?“, fragte jetzt der Spatz. „Heute?“, fragte Rotzi Popel, „Nirgendwohin. Heute wird gefeiert!“ „Gefeiert?“, Frau Spatz war verwirrt. „Ja, gefeiert“, bestätigte Rotzi Popel, „wir feiern eure drei tüchtigen jungen Spatze!“

Da erst sah Familie Spatz sich um und sah alle Vögel ringsherum in den Bäumen sitzen, sah die Pilzband mit ihren Trommeln, sah die Blüten und grünenden Moose und den kleinen Berg an Nüssen und Früchten. Die Vögel fingen an zu singen und zu tirilieren, die Pilze schlugen die Trommeln und die Party ging los. Die jungen Spatze stürzten sich sofort ins Getümmel, doch Herr und Frau Spatz blieben bei Rotzi Popel stehen. „Lieber Freund, das wäre doch nicht nötig gewesen“, sagte Herr Spatz. Rotzi Popel zuckte die Achseln. „Nötig vielleicht nicht, aber es hat mir Freude gemacht.“ Frau Spatz war sichtlich gerührt. „Nach all der Mühe, die wir mit den dreien hatten, kommt dieses Fest wie gerufen. Vielen Dank Herr Popel!“ Dann schlug sie mit den Flügeln und gesellte sich in den Vogelreigen. „Steig auf“, forderte der Spatz Rotzi Popel auf. Der ließ sich nicht lange bitten und kurz darauf konnte auch er mit dem Spatz im Vogelreigen mittanzen.

Es wurde ein tolles Fest. Alle amüsierten sich und als der Abend hereinbrach, kamen Gühwürmchen hervor und erhellten den Tanz mit ihrem Schein.

Erst gegen Mitternacht verabschiedeten sich die letzten Gäste und im Schein des Mondes versprach der Spatz: „Morgen machen wir aber unseren Ausflug. Oder vielleicht übermorgen, wenn wir alle ausgeschlafen sind.“ Dann scheuchten er und Frau Spatz ihre schlaftrunkenen Kinder heim ins Nest.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s