Fluch und Segen

Ich persönlich finde mein chices kleines Smartphone zwar ganz praktisch, bin aber auch ganz froh, wenn es nicht ständig irgendwelche Töne von sich gibt. So liebe ich zum Beispiel meine Nachrichten-App. Ich finde es auch sehr komfortabel, dass ich den Mitgliedern meiner weit verstreuten Familie schnell und unkompliziert Bilder und Nachrichten über einen bekannten Nachrichtendienst schicken kann.

Auf der anderen Seite aber nervt mich die ständige Erreichbarkeit auch oft. Deswegen habe ich mein Telefon auch nicht unbedingt immer greifbar und bin oft gezwungen, es zu suchen. Mein Mann sagt immer wieder, ich hätte mein Telefon auch umsonst, meistens in etwas ärgerlichem Tonfall…

Aber ich gehöre ja ohnehin zu einer Generation, die diesen modernen Medien zum Teil etwas kritisch gegenübersteht. Anders als viele Teenager. Die dienen mir da eher zur Belustigung. Gemein, ich weiß. Trotzdem lustig.

Kennt ihr das? Ein weibliches Familienmitglied unter zwanzig: „Ob der X heute Abend wohl auch mitkommt?“ „Was habt ihr denn vor?“, frag ich. „Ach, wir wollen da in so nen Club. Ich schreib ihm mal eben.“ Sie tippt. Dann: „Gut er hat’s gekriegt. … Warum liest der das nicht? Ich schreib ihm nochmal.“ Sie spricht leise mit beim tippen: „Jetzt lies halt mal deine Nachrichten!“

Ich unterdrücke ein Kichern. Es vergehen gefühlte zehn Minuten, die eigentlich nur fünf sind, in denen sie immer wieder nachsieht, ob X die Nachricht nun endlich gelesen hat. Dann die Erlösung! „Na endlich, er hat’s gelesen!“ Kurze Pause. „Warum antwortet der denn nicht?!“ Sie tippt wieder hektisch: „Warum antwortest du nicht?“ Sie starrt auf den Bildschirm. „Ich versteh das nicht“, murmelt sie, „er hat’s doch gelesen, warum schreibt der dann nicht?“

Ich versuche sie zu beruhigen: „Vielleicht muss er noch was abklären, bevor er sagen kann, ob er mitkommt.“ „Ja, aber dann könnte er das doch schreiben!“, erwidert sie. „So denken Jungs doch nicht“, versuche ich es erneut. „Das ist mir doch egal, der hat jetzt gefälligst zu antworten“, sie grinst schelmisch. „Wenn du eine direkte Antwort willst, ruf ihn doch einfach an“, schlage ich vor. Sie lacht mich doch glatt aus! „Mann, bist du alt!“ Bevor ich dem frechen Stück etwas erwidern kann, pingt ihr Telefon. „Geht doch!“, freut sie sich, doch dann zieht sie einen Flunsch. „Das war nur die Y. Die fragt, warum der X nicht antwortet.“

Das ging noch eine ganze Weile so weiter, aber am Schluss haben sie sich doch alle im Club getroffen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s