Essen mit Kindern

Neulich Abends. Wir waren bei Freunden zum Spielen und dürfen jetzt zum Abendessen bleiben. Mein Sohn hat das geschickt eingefädelt. Er quengelte, dass er Hunger habe und auf mein Angebot, ihm zu Hause gleich was zu machen, verkündete er, er wolle lieber hier essen. Was blieb meiner Freundin anderes übrig, als uns zum Essen einzuladen?

Es fängt schon lustig an – während wir „Großen“ den Tisch decken, spielen die „Kleinen“ johlend und kreischend um uns herum Fangen. Dass kein Teller auf dem Boden landet und kein Messer in irgendwelchen Zehen stecken bleibt, ist reines Glück. Als nach mehrmaliger, in der Lautstärke steigender Aufforderung schließlich alle am Tisch Platz gefunden haben, beginnt die Raubtierfütterung. Alle vier Kinder wollen gleichzeitig Salami und jeder beschwert sich, dass er oder sie immer der oder die letzte ist. Der Kleinste, mit seinen zwei Jahren, kann das so noch nicht artikulieren, aber sein empörtes Geschrei ist auch so verständlich. Nachdem er trotzdem warten muss, fängt er in der Zwischenzeit an, mit seinem Zeigefingerchen Löcher in die Butter zu bohren. Butter schmeckt gut, findet er, darum schleckt er besagtes Fingerchen ein paarmal  ab, bevor er genug hat. Dann erwischt ihn seine Mama, stellt die Butter entschieden außer Reichweite, und wischt ihm die Finger ab. Versteht sich von selbst, dass das nicht ohne Geschrei abläuft.

Derweil hat sich meine Sechsjährige von ihrem Bruder ein scharfes Messer organisiert und zerteilt damit Paprika in mikroskopisch kleine Stückchen. Einfach weil sie es kann. Ihre fünfjährige Freundin versucht unterdessen, ein Käsestück in ebenso kleine Fitzelchen zu zerlegen, hat dazu allerdings nur ein normales Buttermesser zur Verfügung. Das Ergebnis ist dementsprechend. Als meine Tochter mit der Paprika fertig ist und endlich zu essen beginnt, schnappt sich die Fünfjährige umgehend das scharfe Messer und rückt ihrem Käse zu Leibe. Das funktioniert auch ganz gut – sie verfehlt ihre eigenen Finger bei jedem Schnitt um Haaresbreite. Nach dem fünften Mal reißen ihrem Papa die Nerven und er entfernt das scharfe Messer. Mein siebenjähriger Großer hat gerade das dritte Wurstbrot vertilgt und greift nach dem vierten, während die Fünfjährige mit ihrer Mama diskutiert, dass sie auch Abends Saft will und nicht nur Wasser. Meine Sechsjährige wirft hilfreich ein, dass sie ganz brav ist und jetzt auch nur Wasser trinkt. Ich bitte sie, sich da rauszuhalten und erkläre ihr, dass es nicht nett ist zu sagen, wie brav man selber ist und seine Freundin dumm aussehen zu lassen. Sie hat den Anstand, zerknirscht zu gucken.

Mein Großer säbelt mal wieder eine Scheibe Salami ab – er konzentriert sich beim Essen gerne auf das Wesentliche – als der Zweijährige auf seinem Stühlchen aufsteht, um über den Tisch nach der, genau!, Butter zu greifen. Die ist aber zu weit weg. Also klettert er runter, wieselt um den Tisch herum, klettert seinem Papa auf den Schoß, und schon steht die Butter vor ihm. Seine Augen glänzen verzückt.

Die Mädchen singen inzwischen mit vollen Mündern das Bibi-und-Tina-Lied, was jede Unterhaltung obsolet macht, der Zweijährige stimmt ein Zorngeheul an, weil seine Mama die Butter wieder aus seiner Reichweite entfernt hat, wir Erwachsenen wünschen uns Oropax. Der einzige, der vollauf glücklich ist, ist mein Großer, der  nach vier Broten, einer halben Stange Salami und einer Paprika endlich satt ist. Die Mädchen verkünden daraufhin, dass sie auch satt sind. Meine Sechsjährige hatte eine halbe Paprika, die Fünfjährige ein Stück Käse. Aber ehe wir darauf bestehen können, dass zumindest noch etwas Brot gegessen wird, sind sie schon im Kinderzimmer verschwunden. Wir hören noch das Knallen der Tür und dann das Radio auf voller Lautstärke. Die Jungs verschwinden ebenfalls keine zwei Sekunden später. Hoffentlich passt der Große ein bisschen auf den Kleinen auf, denke ich noch.

Wir Erwachsenen schauen uns an. Wir wissen alle, die Musik bei den Mädchen ist viel zu laut und die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Jungs irgendeinen Blödsinn anstellen, ungeachtet der fünf Jahre Altersunterschied. Aber dann zucken wir die Achseln und beschließen wortlos, fünf Minuten die Ruhe zu genießen.

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