Wie die Piranhas Kindergeburtstag feierten

Eines Tages sagte unsere Mama zu Lulu: „Am Samstag ist dein Geburtstag, da darfst du deine Freunde einladen und ich backe euch einen Kuchen.“ Lulu freute sich natürlich und begann gleich, Einladungskarten zu basteln. Für die Mimi, die Kathi, den Franz und die Resi.Ich fing auch an zu basteln, aber keine Einladungskarten. War ja nicht mein Geburtstag. Ich bastelte einen Stiftehalter für meine kleine Schwester. Sie ging jetzt ja auch in die Schule, da konnte sie einen brauchen.Mama fing derweil an, die Party zu planen und schrieb einen langen Einkaufszettel. Als Papa heimkam, ging Mama einkaufen und kehrte schließlich schwerbeladen zurück. Sie hatte alle Zutaten für den Kuchen, Würstchen, Limonade, kleine Geschenke für die Gäste, Strohhalme, Luftballons und außerdem noch Pappteller und Plastikbecher, beides in rosa und mit kleinen Prinzessinnen drauf. Lulu steht nämlich total auf Prinzessinnen und auf rosa.Alle diese Dinge lud sie im Wohnzimmer ab und verschwand mit den Lebensmitteln in der Küche.Als ich wenig später mit meinem fertiggebastelten Stiftehalter auf der Suche nach Geschenkpapier durchs Wohnzimmer kam, hörte ich die Piranhas zetern: „Diese Müllberge!“, ereiferte sich Blacky gerade, „kein Wunder, dass die Ozeane voller Plastik sind und die Gewässer von Chemikalien verunreinigt!““Was ist denn los?“, erkundigte ich mich neugierig. „Was los ist?“, geiferte Pitbull. „Hört euch den an, Jungs. Lernt ihr denn gar nichts in der Schule?“ „Doch, schon“, erwiderte ich, „Rechtschreibung und Multiplikation und…“ Weiter kam ich nicht. Horst fiel mir unfreundlich ins Wort: „Sowas braucht kein Mensch! Erzählen die euch nichts über den Müllstrudel im Pazifik? Die Abholzung der Regenwälder? Den Klimawandel? Und dass an allem der Mensch Schuld ist?““Äh, nein“, gab ich zu, „aber ich bin ja auch erst 9.“ „Vollkommen irrelevant, Bürschchen. Fakt ist, ihr Menschen macht zu viel Müll!“, belehrte Blacky mich nun. „Schau dir nur diesen ganzen Berg da an!“ Dabei wies er mit seiner kleinen Seitenflosse auf die Luftballons, Pappteller, Trinkbecher und Strohhalme für Lulus Geburtstag.Nun endlich verstand ich, warum sie sich so aufregten. Ich zuckte bedauernd mit den Achseln. „Tut mir leid, aber Mama hat keine Lust, das ganze Geschirr abzuwaschen. Außerdem befürchtet sie, dass was kaputt geht. Lulu wird doch erst 7.“Die Piranhas glotzten kurz dumm, dann keifte Pitbull: „Dann lasst ihr euch besser ganz schnell was einfallen, dass dieser Müll hier verschwindet, sonst haben wir demnächst nämlich keine Lust mehr, hier die Goldfische zu spielen!““Schon gut, schon gut!“, beruhigte ich sie, „ich lass mir was einfallen!“Stirnrunzelnd ging ich zu Lulu und erzählte ihr alles. Eine Weile lang dachten wir nach. Dann klatschte Lulu plötzlich in die Hände und rief: „Ich habs! Ich feiere einen Prinzessinnengeburtstag!““Und was hilft das?“, fragte ich mürrisch, „das machst du jedes Jahr. Deswegen hat Mama ja den ganzen Krempel besorgt!““Diesmal feiere ich wie eine echte Prinzessin“, verkündete Lulu geheimnisvoll, zwinkerte mir zu und flüsterte: „Warts ab!“Dann wuselte sie zu Mama in die Küche. Ich blieb ihr dicht auf den Fersen, denn ich war neugierig, was sie wohl vorhatte. Mit zuckersüßem Lächeln fragte Lulu: „Mama, darf ich bitte einen Prinzessinnengeburtstag feiern?““Aber sicher, Kleines, so wie jedes Jahr“, antwortete Mama ohne hochzusehen. „Darf ich auch wie eine echte Prinzessin feiern?“, hakte Lulu nach. „Natürlich, Liebchen, ist doch dein Geburtstag“, nickte Mama. „Danke, Mama, du bist spitze“, freute sich Lulu. Dann setzte sie hinzu: „Ich geh nur schnell mit Ben zusammen zum Laden und geb den ganzen Kinderkram zurück.“ Jetzt sah Mama erstaunt auf. „Was für Kinderkram?“, wollte sie wissen. „Na, die rosa Teller und Becher, die Strohhalme und so. Du glaubst doch nicht, dass echte Prinzessinnen von Papptellern essen!“Ehe Mama noch etwas sagen konnte, hatte Lulu sich den Kassenzettel vom Küchentisch gegrapscht und zog mich hinter sich her. Im Wohnzimmer griffen wir uns die Tüten mit dem Partykram und flitzten damit zur Wohnungstür. Leider hatte Mama mittlerweile ihre Sprache wiedergefunden. „Nicht so schnell, ihr beiden. Was soll der Unfug eigentlich?“ „Das ist kein Unfug!“, wehrte Lulu mit Unschuldsmine ab. „Prinzessinnen essen von Porzellan und trinken aus richtigen Gläsern. Strohalme sind was für Babys und Luftballons brauche ich nicht.“ „Außerdem ist das Wegwerfgeschirr unnötige Umweltverschmutzung“, setzte ich noch hinterher. Damit verschwanden wir kichernd aus der Tür.Die Frau im Laden nahm zum Glück alles zurück, als Lulu erklärte, sie sei zu alt für rosa Prinzessinnen. Ich konnte mir das Lachen kaum verkneifen. Zu Hause wartete Mama allerdings schon auf uns. „Soso, meine Prinzessin und mein Umweltschützer. Also gut, wir machen es wie Lulu möchte, aber dafür helft ihr mir danach beim Abwasch!“Damit hatten wir nicht gerechnet, aber da half nichts. Es wurde ein toller Geburtstag, mit einer super Torte. Lulu hatte aus Stoffresten kleine Partyhütchen für die Piranhas gebastelt und sie feierten fleißig mit. Am Abend war sogar der Abwasch mit Mama lustig und wir einigten uns darauf, dass Prinzessinenparties mit echtem Geschirr einfach stilvoller sind.

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